1939 Alvis 4.3 litre Drop Head Coupe by Offord & Sons 
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Reference Number 622559

as of 8/14/2020

Dealer
 

Lot 69

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 Phone    City  Vösendorf
 Fax    State  Niederösterreich
 Mobile    Country  Austria Austria
Overview
Car 1939 Alvis 4.3 litre Drop Head Coupe by Offord & Sons
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Known History

DOROTHEUM Sommerauktion im Fahrzeug und Technik Zentrum Wien / Summer Sale at Fahrzeug und Technik Zentrum Wien

Klassische Fahrzeuge und Motorräder / Classic motorcars and motorcycles

Samstag, August 29, 2020 - 15 Uhr / Saturday, August 29, 2020 - 3 p.m.

2331 Vösendorf, Doktor Robert Firneisstraße 6-8

 

 

Lot 69 V

1939 Alvis 4.3 Litre Drop Head Coupe by Offord & Sons

 

Beeindruckendes Vorkriegs-Cabriolet

Eines von nur 166 Alvis 4.3 Litre Modellen

Davon nur 11 mit Karosserie von Offord & Sons

Lückenlose Historie von Anfang an

In herausragendem Zustand

Matching Numbers

 

1921 änderte Thomas George John den Namen seiner zwei Jahre zuvor gegründeten Firma in Alvis Car and Engineering Company Ltd. Anlass dazu war das erste Automobil, das am Kühler ein umgedrehtes rotes Dreieck mit dem Namen Alvis darin trug. Schon die ersten Wagen, die aus der Fabrik in Coventry rollten, wussten mit so manch technischer Raffinesse zu überzeugen.

 

Schnell konnte sich die noch junge Marke in der englischen Oberklasse etablieren und bot mit innovativen und sportlichen Wagen Mitbewerbern wie Bentley oder Lagonda die Stirn. 1927 präsentierte man einen ersten Reihensechszylinder, der in weiterer Folge das Markenzeichen des Red Triangle werden sollte. Wie alle namhaften britischen Hersteller konzentrierte sich auch Alvis auf die Produktion von Fahrgestellen und Mechanik. Das Einkleiden dieser überließ man einer Vielzahl von Karosseriebauern, darunter die renommiertesten Adressen der Insel.

 

1928 folgte mit dem 12/75 ein Modell mit Vorderradantrieb, oben liegender Nockenwelle, innen liegenden Bremsen und auf Wunsch mit Kompressor-Aufladung. Damit war man seiner Zeit um Lichtjahre voraus. Im selben Jahr stand erstmals ein Alvis-Werksteam bei den 24 Stunden von Le Mans am Start. Auf Anhieb gelang mit Respektabstand ein Doppelsieg in der Klasse. Die Wiederholung im Jahr darauf misslang und in Zukunft überließ man das Rennfahren lieber anderen und investierte in die Entwicklungsarbeit. Ab 1933 gab es eine Einzelradaufhängung vorne, einen Bremskraftverstärker und als Weltnovum, das erste voll-synchronisierte Getriebe.

 

Jahr für Jahr präsentierten Alvis neue Entwicklungen wie am rollenden Band. In den 1930er Jahren begann man in Coventry mit Blick auf den Mitbewerb auch bei Hubraum und Leistung allmählich aus dem Vollen zu schöpfen. Die Tage der zwei Liter waren gezählt und jedes Jahr stiegen sukzessive Kubatur und Leistung. Mit einem dreieinhalb Liter Motor übertraf man 1935 erstmals die 100 PS Schallmauer. Gleichzeitig wurden die Wagen größer, schwerer und vor allem luxuriöser. Die asketischen Sportwagen hatte man Mitte der 1930er Jahre längst hinter sich gelassen.

 

Den Gipfel der Entwicklung erklomm Alvis 1936 mit 4.387 ccm Hubraum, drei SU-Vergasern und 137 bhp. Ganz nach britischer Zurückhaltung rundete man ab und nannte das neue Modell schlicht 4.3 Litre. Damit war alles gesagt. Es gab ein kurzes und ein langes Fahrgestell, deren Radstand sich um knappe sieben Zentimeter unterschied. Bei 3,15 Meter von kurz zu sprechen, war aber wohl ein wenig untertrieben. Je nach Aufbau waren die 4.3 Litre bis zu 4,85 Meter lang und 1,8 Tonnen schwer. Trotz der Ausmaße war er ein echtes 100-Meilen-Auto. Bis 1940 entstanden 166 der 4.3 Litre Alvis, nur elf Stück davon wurden von Offord & Sons im Londoner West End eingekleidet. Sieben weitere Alvis 4.3 Litre wurden vermutlich zerstört, als am Abend des 14. Novembers 1940 die deutsche Luftwaffe ganz Coventry dem Erdboden gleich machte, womit auch die Geschichte dieses Modells endete.

 

Eins gleich vorweg: die Geschichte dieses Alvis ist so umfangreich dokumentiert, dass sie den Rahmen sprengen würde, nämlich vom ersten bis zum letzten Tag. Damit folgt hier nun der Versuch einer Annäherung an den Werdegang dieses beeindruckenden Automobils.

 

Alvis Car Number 20054 war dieser 4.3 Litre mit der Fahrgestellnummer 14839 und dem Motor mit der Nummer 15324, ein Long Wheelbase Chassis, das in London von Offord & Sons als Drop Head Coupé eingekleidet wurde. Der Alvis war schwarz mit rotem Interieur in Conolly-Leder. Aus dem vorliegenden originalen Car Record geht auch hervor, dass der Wagen am 20. April 1939 an den Londoner Händler Charles Follett Ltd ausgeliefert wurde. Erster Besitzer war Thornton Willey, der den Alvis auf das Kennzeichen EDV 795 zuließ, das sich heute noch am Heck des Wagens befindet. Laut Alvis Register soll es sich beim Besitzer um den Bruder von Lord Shawcross gehandelt haben, der nach dem Weltkrieg britischer Chefankläger in den Nürnberger Prozessen war. Wir wollen das mit Fragezeichen stehen lassen.

 

Nach zwei weiteren Besitzern wurde der Alvis von der Clarendon Carriage Company Ltd nach Dänemark verkauft, kehrte aber bald schon wieder in die Heimat zurück. 1982 kam er in den Besitz von Ian Warrener, der den Wagen im eigenen Betrieb Williams and Warrener restaurieren ließ. Über Coys of Kensington und wiederum die Clarendon Carriage Company kam der Alvis 1985 zu Helmut Söchting nach Essen in Deutschland. Der verkaufte das Drop Head Coupé im Herbst des Jahres weiter nach Österreich, wo es im Dezember auf die Firma Richter & Sprinter, eine Druckerei in Wien Penzing, angemeldet wurde. Die Firma übersiedelte von Wien nach Breitenfurt und mit ihr der Alvis, der von 1994 bis 1996 dort auf einen weiteren Besitzer zugelassen war.

 

Aus dem Alvis Register geht hervor, dass das 4.3 Litre DHC anschließend 1997 in England bei Red Triangle Autoservices zur Restauration war. Nach der Fertigstellung meldete der dritte österreichische Halter, ein Möbelrestaurateur aus Gablitz, den Alvis im September 1998 auf sich an. Im Zuge dessen wurde auch so mancher Fehler in den Papieren korrigiert, denn bis dahin war der Alvis in Österreich als Speed 20 gelaufen. Bei der Einzelgenehmigung zehn Jahre zuvor war scheinbar jemand überfordert gewesen.

 

Aus dem Nachlass konnte letztlich der Einbringer das prachtvolle Cabriolet erwerben. Ein Vierteljahrhundert nach der Restauration beeindruckt der Alvis 4.3 Litre noch immer mit seinem herausragenden Zustand. Das ist wohl das größte Lob, das man dem Restaurateur von damals machen kann. Noch immer zeigt dieser Alvis, dass er zu den feinsten Automobilen gehörte, die jemals auf der Insel gebaut worden waren.

 

Chassis: 14839,

Motor: 15324,

Car No. 20054,

Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung

 

Online-Katalog/ online catalogue: https://fahrzeuge.dorotheum.com/de/a/67929/